Die Idomeni-Tage (8)

Foto: Julia Christ

 

Polykastro/Skra/Polykastro, 5. bis 8. Juni 2016

An einem meiner letzten Tage in Polykastro fahren wir zu den Wasserfällen von Skra. Für mich ist das schon der zweite Ausflug in die Berge und zu dem Naturspektakel, aber für meine neuen Bekannten ist es das erste Mal. Antii etwa sammeln wir in Axiopolis auf, als er sich per Anhalter von Kilkis nach Skra schlägt. Mit einem Dulcimer mit Schlepptau. Ich habe zuvor noch nie von diesem Instrument gehört. Aber als Antii anfängt, darauf zu spielen, ist es um mich geschehen. Ich merke, wie sehr mir Musik gefehlt hat. Vor allem die Art von Musik, die atmet und nicht aus einer Lautsprecherbox kommt. Musik, die nicht auf Cafébar-Konformität und Massengeschmack zurecht gestutzt  ist.

Mittlerweile sind die ersten Anfragen eingetroffen, wann ich nach Deutschland zurückkäme. Oder ob man sich nicht mal demnächst irgendwo in Berlin treffen könne. Wo bitte? In Berlin? Was habe ich denn in der Stadt der verbrannten Erde zu suchen? Ich glaube, Brit, die ich von Facebook und Twitter her kenne, ist eine der wenigen, die mich versteht. Sie hat mich einmal die „Frau aus Gründen“ genannt. Weil sie weiß, dass ich viele Motive hatte, zu gehen. Nicht nur eines.

Und dann kommen Fragen, was ich denn jetzt mache. Schließlich sei Idomeni doch geräumt. Kaum jemand scheint sich vorstellen zu können, dass es gerade jetzt wichtig ist, hier zu bleiben. Sei es als freiwilliger Helfer, als Journalist oder als Arzt. Denn die mehr als 50.000 Menschen hängen immer noch in Griechenland fest und kommen nicht weiter. Sie leben in staatlichen Auffanglagern, in denen sie noch schlechter versorgt sind als in den vorherigen freien Zentren, die einige Pressevertreter entweder als „illegale“ oder als „wilde“ Lager bezeichnen. Zu diesen „wilden Lagern“ hatte jeder Mensch freien Zutritt. Zu den Militärlagern hingegen ist der Zutritt beschränkt. Eintritt ist nur mit offizieller Genehmigung möglich, und die ist schwierig zu erhalten. Meterhohe Zäune und Soldaten schirmen diese Bereiche für Außenstehende ab. Gefängnisatmosphäre.

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