In der Muschelschale

Foto: Julia Christ

„Du bist in einer Muschelschale“, sagt M., als wir uns verabschieden. „Du hast dich verändert.“

Ich zucke innerlich zusammen und fühle mich ertappt. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand in meiner Umgebung meinen inneren Sinneswandel erkennt. Zumal wir am Abend über alle möglichen, meist unpersönlichen Themen geredet haben. Vielleicht hat M. gerade deshalb gespürt, wie sich meine inneren Stränge zusammengezogen, verdichtet und verfestigt haben. Weil ich das Sprechen darüber gebraucht hätte, damit meine Schale wieder etwas aufweichen kann. Stattdessen wünsche ich mir einen Panzer aus Stahl. Er kann gar nicht hart genug sein.

Ich bin nach Berlin zurückgekommen – der Intermezzo-Stadt –  um Dinge für mich zu klären und besser zu verstehen. Nicht unbedingt, um Leute wiederzusehen. Ich hätte dann Angst,  weniger klar zu sehen und zu sehr abgelenkt zu werden. Also bin ich viel allein. Zuviel allein. Vielleicht sollte ich doch mehr unter Leute gehen.

Stattdessen kreisen meine Gedanken im Kreis. Und machen plötzlich eine Bruchlandung. Etwas zerberstet beim Aufprall. Etwas, von dem ich geglaubt habe, dass es längst zerbrochen ist. Irrtum, error, böse Falle.

Ich habe lange versucht wie Don Quichotte gegen Windmühlen zu kämpfen. Nun ist der Kampf zu Ende. Ich sollte froh sein.

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